13.5.10
Detel, Grundkurs Philosophie, Bd. 2: Metaphysik und Naturphilosophie
Metaphysik
Welche Arten von Gegenständen kommen in der Welt vor? Eine der Fragen der Metaphysik
(Gegenstand: alles, für das man „etwas“ sagen kann.[1])
„Offensichtlichkeiten“: Wir selbst kommen vor (Descartes); „Und wir haben auch wenig Anlaß, zu bezweifeln, daß die Gegenstände, die wir in der externen Welt beobachten können, wie Berge, Bäume... oder andere Menschen, real existieren.“[2],[3]
Fragen: Kommt die Zahl 6 in der Welt vor? Kommt die Gruppe als algebraische Struktur in der Welt vor? Newtons Gesetze? Raum? Zeit? Das römische Recht? Ein Musikstück? (Wir hören immer Aufführungen, nie das Stück „an sich“.) Die Literaturgattung „germanisches Heldenepos“? Solche Fragen sind Fragen der allgemeinen Metaphysik. (2.42.1)
Frage: Gehören Möglichkeiten und Notwendigkeiten zum Inventar unserer Welt? Beispiel: Es besteht die Möglichkeit, daß die Schlacht von Gettysburg anders verlaufen wäre und die CSA heute eine Weltmacht wären. Ist diese Möglichkeit eine Tatsache oder nur eine „Form unserer Beschreibung der Welt“ (Detel)? Der Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft war (vielleicht) unvermeidlich, zwingend notwendig – gehört diese Notwendigkeit zu den Gegenständen der Welt? Die esssentialistische Metaphsik sagt ja, die anti-essentialistische Metaphysik (2.42.2) sagt nein.
Frage: gibt es bezüglich der Existenz von Gegenständen Abhängigkeiten, d. h. gibt es Gegenstände, deren Existenz von der Existenz eines anderen Gegenstandes abhängt? (Existenz im primären Sinne oder Existenz auf nicht selbständige Weise.) Reduktive Metaphysik (2.42.3) will angeben, ob und inwiefern die Existenz gewisser Arten von Gegenständen auf die Gegenstände reduziert werden kann, die im primären Sinne existieren...“ (Detel). Beispiele: Materialismus führt alles, was existiert, auf die Existenz materieller Gegenstände zurück; Idealismus führt alles, was existiert, auf bestimmte Formen des Geistes zurück.
Hängt unsere Auffassung davon, welche Gegenstände es gibt, nicht auch davon ab, wie wir mit den uns zur Verfügung stehenden Wahrnehmungs- und Begriffsapparat mit der Welt interagieren? Die Fragestellung der kritischen Metaphysik (2.42.4) (Kant, kritische metaphysische Reflexion; Schnittstelle zur Erkenntnistheorie).
Zwei weitere Fragen: Was ist unter „Existenz“ zu verstehen? Was kann man allein aufgrund der Tatsache der Existenz von Gegenständen über sie wissen?
Zwei Begriffe: Ontologie, die Lehre vom Seienden ist Teil der Metaphysik., aber sie behandelt z. B. nicht Fragen der reduktiven Metaphysik. Entität: ein nicht näher spezifiziertes Etwas, ein Gegenstand im allgemeinsten Sinne; das reine Dasein eines Dings, nicht sein Wesen.
Welche Arten von Gegenständen kommen in der Welt vor? In diesem Sinne ist die Definition der Metaphysik als „Lehre vom Seienden als solchen und dem, was wesentlich dazugehört“ zu verstehen, als eines der Hauptgebiete der Philosophie (neben der Erkenntnistheorie, der Logik, der Ethik, der Ästhetik).
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Literatur:
Detel, W: Grundkurs Philosophie
Seiffert, H: Wissenschafttheorie
Sokal, A Brickmont, J: Eleganter Unsinn
[1] Etwas, das wir mit einem Wort unserer Sprache bezeichnen können (Seiffert)
[2] „Offensichtlich“ steht in Anführungszeichen, denn gerade das Offensichtliche täuscht manchmal. Aber: keine Aussage über die reale Welt läßt sich je wirklich beweisen, jedoch kann man manchmal jeden vernünftigen Zweifel ausschließen. Der unvernünftige Zweifel bleibt bestehen. (Hume)
[3] There was a young man who said, >God, / It has always struck me as odd
That the sycamore tree / Simply ceases to be
When there’s no one about in the quad.<
>Dear Sir, Your astonishment’s odd; / I am always about in the quad:
And that’s why the tree / Will continue to be,
Since observed by, / Yours faithfully, God.<